Das Geheimnisvolle Bild - Fotograf Marvin Hagemeister

Das Geheimnisvolle im Bild

Endlich ist es soweit! Vor einer knappen Stunde habe ich im Labor die Abzüge von meiner ersten Rolle analogen Films abgeholt. Wow, ich bin sprachlos! Diese Farben, die leichte Unschärfe und das insgesamt träumerische Bild ist das, wonach ich lange gesucht habe.

Bei der digitalen Fotografie ist mir aufgefallen, dass durch die hohe Auflösung jedes Detail sofort sichtbar wird. Die Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass wir ein schonungsloses Abbild der Realität erhalten. Die digitalen Bilder sind weitaus detaillierter als wir das Leben mit unseren eigenen Augen wahrnehmen können.

In der Nachbearbeitung verbringen wir Fotografen dann viel Zeit damit, z.B. Hautporen zu glätten, die man im echten Leben so gar nicht sehen würde. Hierbei verliert man sich sehr schnell in den Einzelheiten und vergisst dabei das Gesamtbild.

Mir geht es viel mehr um die Atmosphäre in einem Bild. Und wo ich die Abzüge meines ersten Films in den Händen halte, sehe ich, dass mir das mit einem weniger technischen Aufwand viel leichter gelingt.

Die Bilder, die mich ansprechen, sind nicht die, die die Realität 1:1 kopieren und wiedergeben, sondern solche, die Raum für eigene Interpretation lassen. Durch die schonungslose Klarheit im digitalen Foto wird von vorneherein vorgegeben, wie etwas auszusehen hat und das Bild verstanden werden soll.

Beim klassischen Film hingegen sind viele Details durch die leichte Verschwommenheit nicht sichtbar und man wird viel stärker dazu angeregt, seine eigene Fantasie mit einzubringen. Das Bild wirkt mystischer und geheimnisvoller und bekommt so mehr Tiefe.

Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen.“ — Albert Einstein (1870-1955)

Darin liegt für mich die Schönheit in der analogen Fotografie. Ich habe für mich eine neue Liebe zur Fotografie entdeckt.

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